Speisekarte_Historie

Vier unter einem Dach

Im Versetal war eine gute Nachbarschaft
Selbstverständlichkeit. Man traf sich im Sommer
nach Feierabend auf der Bank vor der Haustür zu einem gemütlichen Schwatz und im Winter am runden Tisch der Wirtschaften zu lebhafter Diskussion über die mannigfachen Geschehnisse in der Heimat und der großen Welt. In den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts gab es in 

Brüninghausen drei Gasthäuser, eines in der alten Mühle, eines im Hause von Casper Brüninghaus, wo Borlinghaus, der an einem der Hämmer schmiedete, nebenbei eine Wirtschaft betrieb, und das dritte von August Selve, der das Petersche Haus dazu eingerichtet hatte.

Der hang zur Geselligkeit wuchs; so trafen sich regelmäßig die Veteranen des 70er Krieges und die gedienten jungen Männer zum Austausch ihrer Erinnerungen. Als daher im Jahre 1883 Amtmann Emil Opterbeck den Kriegerverein des Amtes Lüdenscheid gründete, gab es einen unerwartet großen Zulauf. Schon bald waren es über fünfhundert Mitglieder unter der Fahne des Vereins, der sich in drei Kompanien aufteilte, dessen zweite ihren Standort in Brüninghausen hatte. 1909 regte Peter Robert Plate sen., damals Führer der Kompanie Brüninghausen, an, das Bataillon aufzulösen und in selbständige Kameradschaften umzuwandeln. Von ihm stammt auch die erst Anregung zum Bau der Brüninghauser Halle, da der Verein weiter wuchs und bald kein Saal im Ort ausreichte, um ein Fest zu veranstalten. Denn im Jahre 1896 hatte sich innerhalb des Kriegervereins bereits eine Gesangsabteilung gebildet, die sich zu einem selbständigen Männergesangverein entwickelte und aus dem 1954 der Männerchor „Platestahl e. V.“ wurde.

Der Spielmannszug der Feuerwehr ist aus den Reihen des Turnvereins entstanden. Die Turner selbst suchten nach einem geeigneten Übungsraum. Seit 1892 hatten sich junge Leute zur turnerischen und sportlichen Betätigung im Geiste des Turnvater Jahn zusammengefunden. Sie ließen sich 1913 im Vereinsregister eintragen. Der Turnbetrieb spielte sich damals im Hohagen-Saal ab.

So regte ich auch das kulturelle Leben in einer erfreulichen Entwicklung, und die Halle, die allen Bestrebungen einen Mittelpunkt und die Entfaltungsmöglichkeit geben sollte, wurde ein Jahr vor dem ersten Weltkrieg Wirklichkeit. Durch Stiftungen der Werksinhaber wurde der Bau ermöglicht. Zunächst war der Turnverein Verwalter und Träger der Halle, wobei die Ortsvereine. Die Mithilfe geleistet hatten, darin ihr Übungs– und Festlokal fanden. Seit 1956 ist die Halle Gemeineigentum aller vier Vereine, die den „Verein Brüninghauser Halle“ bilden. Sie ist 1962 durch eine Spende des Stahlwerkes um einen Anbau erweitert worden und hat zugleich eine automatische Kegelbahn erhalten. Es ist daher mehr als eine höfliche Geste, daß im Vorstand neben den vier Vereinsvorsitzenden der Chef des Hauses Plate Sitz und Stimme hat.

Es ist ja auch kein Zufall, dass in den Vereinschroniken der Name Plate von Anfang an auftaucht. Das älteste noch erhaltene Protokoll der „Brüninghauser Bauernschafts-Feuerspritze“ vom 2. Oktober 1887 ist von Robert Plate jun. Aufgesetzt, der damals ihr Schriftführer war und dieses Amt bis 1896 bekleidete. Im Gründungsprotokoll der Freiwilligen Feuerwehr Brüninghausen vom 30. Juli 1905 wird Adolf Plate als „stellvertretender Hauptmann und Steigerführer“ genannt.1934 wurde er zum Oberbrandmeister des Löschzuges VI Brüninghausen der Freiwilligen Feuerwehr des Amtes Lüdenscheid gewählt, einen Posten, den er noch zwei Jahre lang ausfüllte.